Fliegenpilz: Pilz des Jahres 2022 – Warum diese Auszeichnung?
Im Jahr 2022 wählte die Deutsche Gesellschaft für Mykologie (DGfM) den Fliegenpilz zum Pilz des Jahres. Eine überraschende Entscheidung? Nicht für Mykologen. Amanita muscaria ist ökologisch unverzichtbar, kulturell omnipräsent – und wissenschaftlich weit interessanter, als sein Ruf als „Giftigster Waldpilz" vermuten lässt.
Was ist die DGfM und wer wählt den Pilz des Jahres?
Die Deutsche Gesellschaft für Mykologie e. V. (DGfM) ist die wissenschaftliche Fachgesellschaft für Pilzkunde im deutschsprachigen Raum. Sie wurde 1950 gegründet und vertritt heute rund 3.000 Mitglieder – Mykologen, Naturschützer, Pilzsachverständige und interessierte Laien. Jedes Jahr kürt die DGfM einen „Pilz des Jahres" – mit dem Ziel, die öffentliche Aufmerksamkeit auf eine besonders schützenswerte oder missverstandene Pilzart zu lenken.
Frühere Titelträger umfassen etwa den Schopftintling (2020), den Lärchen-Röhrling (2021) und den Judasohr-Pilz (2017). Die Auswahl folgt keiner festen Formel – mal stehen ökologische Relevanz, mal Gefährdung, mal kulturelle Bedeutung im Vordergrund. 2022 war die Entscheidung eindeutig: Amanita muscaria.
Warum fiel die Wahl 2022 auf den Fliegenpilz?
Die DGfM begründete ihre Wahl mit mehreren Punkten. Erstens ist der Fliegenpilz ökologisch unverzichtbar: Als Ektomykorrhiza-Partner von Birken, Kiefern und Fichten ist er an der Nährstoffversorgung ganzer Waldökosysteme beteiligt – ein Zusammenhang, der der breiten Öffentlichkeit kaum bekannt ist. Den Zusammenhang zwischen Fliegenpilz und Waldökologie erklärt unser Artikel zur Fliegenpilz-Ökologie im Detail.
Zweitens wollte die DGfM verbreiteten Fehlinformationen entgegenwirken. Amanita muscaria gilt volkstümlich als „tödlicher" Giftpilz – eine Einschätzung, die die moderne Toxikologie nicht stützt. Tödliche Vergiftungen durch Amanita muscaria sind in der medizinischen Literatur extrem selten; verwechslungsbedingte Todesfälle entstehen meist durch andere Amanita-Arten wie den Knollenblätterpilz (Amanita phalloides). Die DGfM nutzte den Titel als Anlass für sachliche Aufklärung.
Was die Auszeichnung über den Fliegenpilz sagt
Die Wahl zum Pilz des Jahres hat keine rechtliche oder kommerzielle Bedeutung – sie ist eine wissenschaftliche und gesellschaftliche Kommunikationsmaßnahme. Doch sie signalisiert: Die Mykologie betrachtet Amanita muscaria als einen der bedeutendsten Pilze Europas. Nicht wegen seiner Toxizität, sondern wegen seiner ökologischen Rolle, seiner genetischen Diversität (drei weltweite Klade: eurasiatische, subarktisch-alpine und nordamerikanische) und seiner langen Wechselwirkung mit dem Menschen.
Die Auszeichnung fiel in eine Zeit wachsenden öffentlichen Interesses: Seit 2020 ist die Google-Suche nach Amanita muscaria in Deutschland kontinuierlich gestiegen. Wissenschaftliche Veröffentlichungen zu Muscimol – dem Hauptalkaloid des Pilzes – erreichten in den Jahren 2021–2024 neue Höchststände. Der „Pilz des Jahres"-Titel spiegelte insofern eine Entwicklung, die bereits im Gange war.
Auszeichnende Institution: Deutsche Gesellschaft für Mykologie e. V. (DGfM), gegründet 1950, ca. 3.000 Mitglieder. Begründung: ökologische Schlüsselrolle als Mykorrhiza-Partner, kulturhistorische Bedeutung, Korrekturbedarf bei toxikologischen Fehlinformationen. Amanita muscaria ist in Deutschland weit verbreitet und steht nicht auf der Roten Liste der gefährdeten Pilzarten.
Fliegenpilz: Verbreitung in Deutschland
Amanita muscaria ist in ganz Deutschland heimisch – von Bayern bis Schleswig-Holstein, von der Eifel bis zur Uckermark. Der Pilz wächst überall dort, wo Birken, Kiefern oder Fichten stehen: in Laub-Nadelwäldern, Parkanlagen, Friedhöfen und Stadträndern. Die Fruchtkörper erscheinen typischerweise von Juli bis November, mit einem Hauptaufkommen im September und Oktober.
In Deutschland ist Amanita muscaria nicht gefährdet. Er ist weit verbreitet und gilt als häufige Art. Sein Schutz steht nicht im Fokus der DGfM-Auszeichnung; im Mittelpunkt steht die Aufklärung über seine ökologische Funktion und die Korrektur volkstümlicher Mythen. Was Amanita muscaria in seiner ganzen Vielfalt ist, erklärt unser umfassender Fliegenpilz-Guide.
DGfM-Wahl 2022 als Spiegel eines kulturellen Wandels
Die Entscheidung der DGfM ist auch kulturhistorisch interessant. Noch vor einer Generation wäre ein Giftpilz als „Pilz des Jahres" kaum denkbar gewesen. 2022 sah die Gesellschaft offenbar den Moment für eine differenzierte öffentliche Diskussion als gekommen. Amanita muscaria steht im Schnittpunkt von Volkskunde, Pharmakologie, Ökologie und Kulturgeschichte – und genau diese Vielschichtigkeit macht ihn zu einem würdigen Jahresvertreter. Wer ihn als getrocknetes Pulver oder ethnobotanisches Sammlerstück sucht, findet ihn in Deutschland und Österreich legal zu kaufen.
Quellen & Referenzen
- Deutsche Gesellschaft für Mykologie e.V. (DGfM) (2022): Pilz des Jahres 2022: Der Fliegenpilz. dgfm-ev.de
- Kohler, A. et al. (2015): Convergent losses of decay mechanisms and rapid turnover of symbiosis genes in mycorrhizal mutualists. Nature Genetics 47: 410–415. — Ektomykorrhiza-Ökologie.
- Michelot, D. & Melendez-Howell, L.M. (2003): Amanita muscaria: chemistry, biology, toxicology, and ethnomycology. Mycological Research 107(2): 131–146.
- Wikipedia (DE): Pilz des Jahres. de.wikipedia.org/wiki/Pilz_des_Jahres
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